Leben dank Gewebespende

Teenager in Rumänien erhält Herzklappe aus Deutschland

Am 13. August erhielt in Rumänien ein 16-jähriger Junge eine dringend benötigte Herzklappe aus Deutschland. Ein Spezialistenduo der Sana Herzchirurgie Stuttgart reiste für den anspruchsvollen Eingriff extra an. Für das Spendergewebe aus dem Netzwerk der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) musste es schnell gehen: Binnen 24 Stunden musste die Herzklappe von der Gewebebank in Kiel bis zu ihrem Einsatz in das Krankenhaus Spitalul Sf. Constantin ins rumänische Brasov gelangen. Diese logistische Mammutaufgabe war nur mit vereinten Kräften möglich und für alle Beteiligten am Ende ein voller Erfolg: Die Transplantation glückte. Für den Jungen ist das die Chance auf einen Neuanfang. Koordiniert und finanziell getragen wurde das Projekt von der Fördergemeinschaft kinderherzen.

„Ich möchte einfach wieder ganz normale Dinge tun, wie mit Freunden spielen“ wünscht sich Silviu Lavrig (16 Jahre) kurz vor seiner Operation am Freitag. Silviu leidet unter einer angeborenen Aortenklappenstenose und einer damit verbundenen schweren Herzinsuffizienz. Bereits im Alter von 19 Monaten wurde er das erste Mal am Herzen operiert. Heute, knapp 14 Jahre später, benötigt er eine neue Herzklappe. Insbesondere in den vergangenen sechs Monaten habe sich sein Zustand drastisch verschlechtert, erzählt seine mitgereiste Mutter Elena: „Er wurde deutlich schwächer und konnte irgendwann nur noch im Bett liegen.“

Die daher lebensnotwendige OP stellte eine finanzielle, aber auch medizinische Herausforderung dar. Der Familie fehlt es an finanziellen Mitteln – und den hiesigen Ärzten an klinischem Know-How und verfügbarem Spendergewebe. So wurde kinderherzen gebeten, zu helfen. Zuletzt war im Mai ein großes Team an Spezialisten der Sana Herzchirurgie für die Fördergemeinschaft in Rumänien im Einsatz. Doch nun war nicht nur die medizinische Expertise gefragt, sondern auch dringend eine passende Herzklappe. Dafür wandte sich kinderherzen an die gemeinnützige DGFG, die deutschlandweit als größte Einrichtung für die Gewebespende im Einsatz ist. Auch die Sana Herzchirurgie Stuttgart unterstützt die DGFG in der Spende von Augenhornhäuten, Herzklappen und Blutgefäßen.

„Dass wir diesem Jungen helfen wollten, war sofort klar. Es handelte sich um einen Notfall. Wir setzten ihn auf unsere Warteliste und konnten schnell ein passendes Spendergewebe für ihn finden“, sagt Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG. „kinderherzen engagiert sich in Rumänien, weil es dort einen erheblichen Fachkräftemangel gibt und von den 1.500 herzkrank geborenen Kindern pro Jahr nur 400 behandelt werden können. Silviu hätte auch nach Deutschland eingeflogen und operiert werden können, doch wir beschlossen vor Ort zu helfen, um den Wissenstransfer zu ermöglichen. Grundsätzlich ist kinderherzen darauf bedacht. Grundsätzlich sind kinderherzen darauf bedacht, in den Einsatzländern nachhaltig humanitär tätig zu sein und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten“, sagt Bryan Kolarczyk, Sprecher von kinderherzen. Zusammen mit den zwei Spezialisten der Sana Herzchirurgie Stuttgart, Dr. Vladimir Voth (Leitender Oberarzt Herzchirurgie) und Pavel Heghi (Kardiotechniker), führte Klinikdirektor Professor Victor Costache (Spitalul Sf. Constantin) am Freitag in Brasov eine sogenannte Ross-Operation durch – eine Premiere in Brasov, nach Angaben von Prof. Costache sogar in ganz Rumänien.

Nach knapp viereinhalb Stunden im OP dann ein erstes Aufatmen: Die anspruchsvolle Transplantation glückte. Bereits am nächsten Morgen war Silviu wieder bei Bewusstsein. Dr. Voth sprach Mutter und Sohn seine Zuversicht aus: „Sie sollen sich keine Sorgen machen. In drei Monaten kann er wieder so wie früher Fußball spielen.“

Heghi und Dr. Voth führten diesen Einsatz ehrenamtlich während ihres Urlaubs durch. Für beide im doppelten Sinne eine Herzensangelegenheit. In der Organisation der Transplantation in Brasov unterstützte auch die von Prof. Costache gegründete Stiftung Polisano Fundatia aus Sibiu: „In Rumänien gibt es keine Infrastruktur für die Gewebespende und -transplantation. Mit solchen Projekten wollen wir das nachhaltig ändern und weiterhin von den deutschen Kolleginnen und Kollegen lernen“, bekräftigt Prof. Costache und zeigte sich stellvertretend für das gesamte Team für die aufopferungsvolle Hilfe dankbar. Das Team der Sana Herzchirurgie und die DGFG wollen nun an diesem Erfolg anknüpfen. „Ohne die Gewebespende könnten wir Eingriffe wie die Ross-OP, die gerade für junge Patienten ein großer Hoffnungsträger ist, nicht durchführen – weder in Deutschland noch in Rumänien. Sollte es uns zusammen mit der DGFG gelingen, die Herzklappenspende weiter auszubauen, könnten wir noch mehr Patienten helfen“, sagt Dr. Voth.

Die zu transplantierende Herzklappe stammt aus der postmortalen Gewebespende. Eine Spende von Herzklappen ist bis zu 36 Stunden nach Todeseintritt möglich. Die Entnahme und Vermittlung erfolgte durch die DGFG in Deutschland. Anders als Organe werden Gewebe wie Herzklappen nicht unmittelbar transplantiert, sondern in Gewebebanken aufbereitet, so auch die Herzklappe für Silviu. Bereits am Donnerstag startete der Transport des Gewebes mit der Abholung aus der Herzklappenbank der DGFG in Kiel. Von dort ging es mit einer Spedition zum Hamburger Flughafen. Alles lief nach Plan und die OP konnte pünktlich am Freitagmittag in Brasov beginnen. Nun lebt die Herzklappe, gespendet von einem verstorbenen Menschen in Deutschland, in Silvius Herz weiter – Schlag für Schlag.

Über kinderherzen

Eins von 100 Kindern startet herzkrank ins Leben. kinderherzen ist seit über 30 Jahren an ihrer Seite. Die Fördergemeinschaft erforscht neue Wege in der Kinderherzmedizin und sorgt in Kliniken in ganz Deutschland für moderne Technik und Therapien – damit kleine Herzpatienten schonend und schmerzfrei behandelt werden. Ihre Hilfe kennt keine Grenzen: Für Herzkinder in medizinisch unterversorgten Ländern sind die Operationen oft die einzige Chance. kinderherzen rettet nicht nur das Leben herzkranker Kinder, sondern schenkt ihnen die Aussicht auf ein bestmögliches Leben.

Über die Sana Herzchirurgie Stuttgart

Die Sana Herzchirurgie Stuttgart gehört mit 66 Betten, fünf Operationssälen, davon ein hochmoderner Hybrid-Operationssaal, und jährlich über 2.000 Herzoperationen zu den ausgewiesenen Hochleistungszentren und Spezialisten für Herzmedizin in Deutschland. Unser Behandlungsspektrum umfasst alle Herzchirurgischen Behandlungen von der Breitenmedizin bis zur Spezial-OP und das für alle Altersstufen vom Neugeborenen bis zum über 90-jährigen Patienten. Unser Motto „Pflege mit Herz“ steht dabei im Vordergrund. Als Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Tübingen liegt uns die Forschung und die Ausbildung junger Ärztinnen und Ärzte am Herzen.

Über die DGFG

Die DGFG fördert seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland. Auf Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Als unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft wird die DGFG ausschließlich von öffentlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens getragen: Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg. Die DGFG ist in ihrer Aufbaustruktur, der Freiwilligkeit der Unterstützung durch die Netzwerkpartner und ihrer Unabhängigkeit von privaten oder kommerziellen Interessen einzigartig in Deutschland.

hfs/re/ots/dpa/se

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